11. Schweizer Kunst-Supermarkt in Solothurn,
vom 18. November 2010 bis 7. Januar 2011

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 14–20 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertage: 11–17 Uhr
25. Dezember und 1. Januar geschlossen

Eröffnung und Vernissage: 18. November, 18 Uhr

COOP Zeitung Nr. 42 vom 12. November 2003

Am «Kunst-Supermarkt» in Solothurn präsentieren 75 Künstler- «Profis» und «Amateure»-4000 Werke. Wie Judith Sauthier und drei ihrer Künstler-Kollegen.

Meine Bilder haben mit Horizont und Weite zu tun», sagt Judith Sauthier in ihrem Haus im solothurnischen Balsthal. Dort hat die Deutschlehrerin und Mutter von zwei Kindern auch ihr Atelier: «lch hole meine Inspirationen aus der Natur oder aus einem guten Gespräch, das ich dann auf der Leinwand umsetze.» Judith Sauthier mischt Farbpigmente und Acrylfarben. Sie malt in vielen Schichten. So entstehen vor allem Stimmungsbilder in harmonischen Farben. «Ich will Gefühle auf die Leinwand bringen», sagt sie. «Die Aussage möchte ich aber dem Betrachter überlassen»

Die Künstlerin stellt bereits zum zweiten Mal im Kunst-Supermarkt in Solothurn aus. «Das Konzept ist frech, bewirkt etwas. Letztes Jahr musste ich schon nach vier Tagen nachliefern, so gut liefen meine Bilder», erzählt sie. «Das übertraf meine Erwartungen. Es gefiel mir zu-dem, neben meinem Einkaufswägeli zu stehen und Gespräche mit den Besuchern über meine Kunst zu führen. Die Leute waren sehr ehrlich, das war spannend. Später telefonierten mir viele Leute und kamen gar zu mir nach Hause, um meine Bilder zu betrachten.»

Schreiben und malen fast wie im Mittelalter
Andreas Schenk (49) ist Kalligraph. Er lebt seit 20 Jahren vom Schreiben. In einem kleinen mittelalterlichen Fachwerkhaus am Rheinsprung in Basel (gebaut 1437) stellt er kostbare Schriftstücke für unterschiedlichste Zwecke her. Er gestaltet auch Bilder, die er zwei-bis dreischichtig bemalt, «um den Werken Tiefe zu geben». Darauf malt er mit seiner schönen Hand-schrift Aphorismen. «Am liebsten schreibe ich Aphorismen zum Thema Mut oder wie man Grenzen überschreitet.»
Wie im Mittelalter schreibt er mit Rohrfedern aus Schilf und Galläpfeltinte. Erst wenn der Betrachter ganz nah an ein Bild von Andreas Schenk herangeht, entdeckt er die Schrift. «Es kommt vor, dass ich die Texte fünf oder sechs Mal schreibe, bis ich damit zufrieden bin», erklärtder Perfektionist.

«Die Idee des Kunst-Supermarkts ist super», sagt der graue Lockenkopf: «Der lockere Umgang mit Kunst ist für viele etwas Neues. Die Distanz einzelner Künstlerkreise ist schwer zu verstehen. Schliesslich ist auch die Art Basel eine Art Supermarkt: Einziger Unterschied sind die Preise. Es macht Spass, in Solothurn in den Einkaufswagen zu wühlen. Es gibt tolle Sachen und die Bilder haben Preise, die man bezahlen kann.»

Landschaften und Stimmungen
«Mit meinen Aquarellen will ich Stimmungen ausdrücken und so dem Betrachter vermitteln», sagt Hannes Wimmer (64). Der pensionierte Bankbeamte und Vater von drei erwachsenen Kindern malt in seiner Wohnung im zugerischen Baar. Hannes Wimmer ist seit 20 Jahren künstlerisch tätig. Seine Inspirationen holt er sich auf seinen vielen Reisen nach Italien, Griechenland oder Spanien. Davon erzählen viele Aquarellbücher, in denen er seine Eindrücke fest-gehalten hat. «Ich liebe Landschaften, Wetter, Stimmungen, zum Beispiel wenn es föhnig ist», erzählt der gebürtige Österreicher. «Viele Leute sagen, dass meine Bilder Seelenlandschaften sind.» Im Kunst-Supermarkt sehen viel mehr Leute seine Bilder als in einer Galerie: «Darum stelle ich in Solothurn aus.»

Neue Wege für den Bilderkauf
Coopzeitung: Im vergangenen Jahr kamen mehr als 25000 Besucher an den Kunst-Supermarkt. Wie erklären Sie sich als Chef den Erfolg?
Peter-Lukas Meier: Wegen der offenen und attraktiven Preispolitik. Am Kunstmarkt werden nur Originalwerke für 99, 199, 399 und 599 Franken verkauft.
Darf man künstlerische Werke wie in einem Supermarkt anpreisen?
Peter L. Meier, Chef des Kunst-Supermarkts: Man darf. Wir wollen Kunst auf neuen Wegen an neue Käuferschichten bringen und benutzen dazu die Marketinginstr-mente der Supermärkte: Klare, einfache Preispolitik, ein grosses Sortiment, riesige Auswahl und die entsprechende Werbung.
Wie steht die regionale Künstlerszene dem Kunst-Supermarkt gegenüber? In den ersten Jahren sind wir auf grosse Ablehnung gestossen. Heute sind wir national ausgerichtet und haben den Solothurner und den schweizerischen Kunstmarkt enorm belebt. Wir haben den Markt vergrössert. Plötzlich interessieren sich Leute für Originalkunst, die noch nie in einer Galerie waren. Wir bauen Schwellenängste ab.

Natur und innere Bilder
Eine Arbeit von Barbara Hodel zeigt Hinkelsteine und einen Stern. «Hinkelsteine bedeuten unverdaute Probleme, die man durchs Leben trägt, und der Stern ist das Licht, das die Sorgen löst», erklärt sie. Das Werk ist typisch für die 35-jährige Farbgestalterin und Künstlerin. Sie lebt in einem malerischen Stöckli im bernischen Brenzikofen. Neben dem Haus steht ein Bienenhäuschen, ihr Atelier. Hier malt die Bernerin Natureindrücke und innere Bilder auf Papier. Ihre Kleinformate zeigen raffinierte Farbkompositionen. Sie erinnern an Musik und Ihre Harmonien. Barbara Hodel malt zudem Holzklötzchen, die man aufstellen oder in der Tasche herumtragen kann. Eines hat ein Elfenmotiv, «Schön, wenn man eine Elfe bei sich hat», sagt sie lächelnd. Sie kreiert auch Objekte aus Transparentpapier. Barbara Hodel stellt das erste Mal im Kunstmarkt aus. «Die Idee hat mir sofort gefallen, ein wohltuender Gegenpol zum elitären Galeriebetrieb», meint sie «Kunst bedeutet Kommunikation für mich. Sie soll Botschaften transportieren, die andere Meschen berühren.»