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Solothurner Tagblatt vom 12. November 2004
Kunst-Supermarkt
«Habe kein schlechtes Gewissen»
Knatsch unter Künstlern: In einer Woche öffnet der Kunstsupermarkt für sieben Wochen im Palais Besenval seine Tore. Mache Künstler finden die Aktion gut und machen mit. Andere sprechen von Ausbeutung der Künstler.
Der fünfte Kunstsupermarkt steht vor der Tür. Und sorgt, nach Jahren der Ruhe, wieder für Unbehagen bei lokalen Kunstschaffenden. Offiziell mag sich noch niemand richtig äussern. Martin Rohde, Kunsthistoriker und Präsident der Visarte Solothurn, dem Fachverband der bildenden Künstler, hat eine Verlautbarung für den 18. November 2004 in Aussicht gestellt. Nicht ganz zufällig organisiert auf diesen Zeitpunkt das Künstlerhaus eine Werkschau mit 21 im Haus engagierten Künstlern. Rohde will sich dort als Redner an der Vernissage zum Supermarkt äussern. Meinrad Feuchter aus Winznau versteht den Kunstsupermarkt als eine Reaktion auf einen nicht funktionierenden Kunstmarkt, in dem zu lange nur überteuerte Werke feilgeboten wurden.
«Ausbeutung» der Künstler
Der Solothurner Mario Cavoli dagegen rät jedem Kunstschaffenden, solchen Verlockungen zu widerstehen. Er mahnte: «Nicht Preis und Qualität stünde dort im Mittelpunkt.» Es gehe den Initianten einzig um das schnelle Geld. Und dies auf dem Buckel der Künstler.
Eine Argumentation, welche Supermarkt-Initiant und Organisator Peter L. Meier nicht gelten lassen will. «Die Qualität unserer Werke darf sich absolut zeigen lassen», sagt er. Die Existenzängste der Künstler verstehe er, sie hätten aber nichts mit dem Kunstsupermarkt zu tun. Im Gegenteil. Per Saldo schaffe er einen Mehrwert, indem er «das normale Volk» für die Malerei sensibilisiere. Dass die neu gewonnenen Kunstliebhaber nur auf den nächsten Kunstsupermarkt warten, um wieder ein Schnäppchen zu ergattern, glaubt er nicht. Auch dass sein System angeblich ausbeuterisch sein soll, stellt er in Abrede. Die Halbe-Halbe Regelung sei fair. Schliesslich sei der Aufwand enorm. Neben der Infrastruktur berappe er zusätzlich den Transport der Bilder von Marburg, wo diese zentral gesammelt werden, in die Schweiz.
Mehr Publizität
Dass jeder pro Preisklasse eine Serie von zehn Bildern zur Verfügung stellen muss, ist für Meier zumutbar. Eine Ansicht, welche Künstler Adrian Müller aus Hessigkofen teilt. Für ihn ist das kein blosses Produzieren. Er verdiene dabei zwar nichts. Dafür werde er aber durch das Ambiente, die Publizität und die Verkäufe der teuren Werke entschädigt.
Keine Alibiübung
Meier findet, viele Kunstschaffende stellten ihn als «Bölimann» hin. Dabei sei er mit dieser Idee nach Solothurn gekommen, um etwas zu ihrem Wohl beigetragen. «Aber» so Meier, «wenn ich ihnen 5000 Franken geben würde es würde nicht genommen.» Da irrt er sich. Jüngst sagte Jörg Mollet, Kunstschaffender aus Solothurn: «Der Meier könnte doch mit einem Teil von seinem Gewinn etwas für die Künstler hier tun.» Darauf angesprochen signalisiert Peter Meier Offenheit. Er mache aber keine Alibiübung, um ein schlechtes Gewissen zu beruhigen, welches er in keiner Weise habe.
Hanspeter Flückiger
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