11. Schweizer Kunst-Supermarkt in Solothurn,
vom 18. November 2010 bis 7. Januar 2011

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 14–20 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertage: 11–17 Uhr
25. Dezember und 1. Januar geschlossen

Eröffnung und Vernissage: 18. November, 18 Uhr

Solothurner Zeitung vom 5. Januar 2002

Der Bildermarkt zieht Massen an
Kunst-Supermarkt: Während der zweiten Ausgabe wurden rund 1500 Werke verkauft

Im kommerziellen Bereich übertrifft die zweite Ausgabe des Kunst-Supermarktes die letztjährige klar. Mit rund 1500 Werken wurden 350 Stück mehr verkauft als vor einem Jahr. Organisator Peter-Lukas Meier freut sich über den nach wie vor ungebremsten Andrang in seinen Kulturmarkt.
Hat sich Peter-Lukas Meier geläutert? Im Gespräch könnte man seine Antworten beinahe in diese Richtung interpretieren.«Wer im Kunst-Supermarkt einkauft, entscheidet sich oft aus dem Bauch heraus für ein Werk. Das zu beobachten, tut mir manchmal weh, denn durch die unzähligen Kontakte mit den Kunstschaffenden habe ich miterlebt, welcher immense Aufwand manchmal hinter den Bildern steht.» Da sei es hart, mit zu erleben, wie die Werke des einen Künstlers sich schlechter verkaufen als die von anderen. Nichtsdestotrotz bleibe der Kunst-Supermarkt eine eigenständige Marke. Bald werde für die dritte Auflage die Ausschreibung verschickt. Aber für Meier selber könnte ein weiteres Engagement im Ausstellungsbereich drinliegen. «Ich traue mir zu, auch noch etwas anderes zu machen, etwa eine Ausstellung nur mit einem Künstler.»
Die im letzten Jahr zeitweise intensiv geführte Diskussion über Sinn und Unsinn des Kunst-Supermarktes ist verebbt. «Ich habe zwar von den lokalen Kunstschaffenden kein positives Echo, dafür auch kein negatives erhalten. Einige Exponenten der Solothurner Kunstszene besuchten gar dieses Jahr den Kunst-Supermarkt, und ich habe absolut normale Gespräche führen können.» Etwas Stolz schwingt mit, wenn er sagt, man habe bemerkt, dass hier nicht «Seich» gemacht werde. Derselben Meinung dürften auch die an diesem Winternachmittag durch den Kunst-Supermarkt streifenden Besucherinnen und Besucher sein. Wieder schwillt der Besucherstrom im Laufe des Nachmittags an, wie so oft im Laufe der Ausstellung. Nicht wenige ergreifen dabei die Gelegenheit und versichern Meier persönlich, dass sie die Idee des Kunst-Supenmarktes gut fänden. «Am Stephanstag war geschlossen und ich erhielt böse Mails von Auswärtigen, die angerannt waren. Da habe ich es nicht gewagt, auch am Berchtoldstag zu schliessen und die Hütte war total voll», staunt er selber über den Zulauf.

Gewinnschwelle übertroffen
Die Bilanz des 2. Kunst-Supermarktes lässt sich mit rund 1500 verkauften Werken und einem Umsatz von rund 370’000 Franken denn auch sehen. Letztes Jahr waren es rund 350 Werke weniger, die verkauft wurden. «Wenn ich mir selber einen normalen Lohn zahlen möchte, mache ich ein Defizit», schwächt Peter-Lukas Meier aber sogleich ab. Gleichzeitig erwähnt er aber, dass die Gewinnschwelle bei rund 1200 verkauften Werken liege. 50 Prozent des Umsatzes gehen an die 60 Künstlerinnnen und Künstler aus 13 Ländern. Nicht zu verachtende Posten seien neben Miete, Werbe- und Lohnkosten etwa die Transportkosten. Rund 15’000 Franken mussten für den Antransport der Werke aus dem Ausland aufgewendet werden. Die Kreditkartenkosten beliefen sich auf rund 16’000 Franken. Und auch die Mehrwertsteuer habe eingeschenkt. Zudem produzierte Meier für die zweite Ausgabe einen Katalog, in dem alle beteiligten Kunstschaffenden kurz vorgestellt werden.

«Der Name zieht hier nicht»
Am meisten verkaufte der Rothrister Beat Hofer, der für seine Bilder rund 23’000 Franken löste. Enttäuscht ist Meier, dass die Wädenswilerin Anna Strausak auf wenig Gegenliebe gestossen ist. «Sie hat den Kunst-Supermarkt zum Thema gemacht und den jeweiligen Preis jeweils auch gleich ins Bild gezeichnet. Ich finde dies super, aber für das Publikum war dies wohl zu viel.» Wirklich enttäuscht ist er aber, dass einzelne Künstler anstatt für den Supermarkt neue Bilder zu schaffen einfach auf ihre «Backliste» zurückgegriffen hätten. «Ein Spanier, der letztes Jahr viel verkaufte, hatte dieses Jahr aus diesem Grund wenig Erfolg. Das zeigt auch, dass hier der Name nicht zieht.» Wie erwähnt, startet nächstens die Ausschreibung für den dritten Kunst-Supermarkt. Am 8. März werden wiederum rund 60 Kunstschaffende ausgewählt, die je 40 Originalwerke, die nicht älter als zwei Jahre sein dürfen, zum Verkauf anbieten dürfen. Auch die dritte Ausgabe soll in Solothurn stattfinden.

Wer sich am 3. Kunst-Supermarkt beteiligen will, meldet sich beim Rothus Verlag, Rathausgasse 20a, 4500 Solothurn. Telefon: 032 623 16 33

Internetadresse: www.kunstsupermarkt.ch



«Wenn möglich in Solothurn»
Standort: Entgengkommen erwünscht

Obwohl in der öffentlichen Ausschreibung für den 3. Kunstsupermarkt der Vermerk «in Solothurn» aufgeführt ist, ist die Frage des Standortes noch nicht geklärt. «Wenn ich hier Räumlichkeiten finde, dann ist Solothurn auch der Austragungsort des 3. Kunstsupermarktes», sagt Organisator Peter-Lukas Meier. Aber die Lage müsse stimmen.
Mit dem Palais Besenval habe er ausserst gute Erfahrungen gemacht, nicht nur wegen der Lage, sondern auch wegen den Räumlichkeiten selbst. Eine ihm willkommene Alternative wäre die Reithalle. «Ich hoffe, dass die Stadt mir hilft, entsprechende Räumlichkeiten zu mieten.» Sollte er bis September noch ohne Raum dastehen, müsse er umdisponieren. «In Bern würde ich sofort etwas finden», ist er überzeugt.



Kommentar
«Leichtigkeit des Kaufens»

Gute Kunst zu erschwinglichen Preisen für alle erhältlich machen, dass will der Schweizer Kunst-Supermarkt: so steht es in der Ausschreibung. Aber wir alle wissen, dass es “gute Kunst” gar nicht gibt. Ansonsten wäre es eine Wissenschaft, genau definier- und messbar. Wer “gute Kunst” für sich reklamiert, hat daneben gegriffen.
Dies ist für den Kunst-Supermarkt auch nicht wichtig. Gefragt sind «gute Erreichbarkeit, klare Preise, Tiefpreisangebote, grosse Auswahl, Warenhausatmosphäre» (Pressetext). Gefragt ist ein Marketing-Konzept. Dieses greift mit dem Kunst-Supermarkt, das beweisen die Zahlen.
Da bleibt noch die Frage nach den Gerwinnern und den Verlierern. Zu den Gewinnern gehört Solothurn. Hier wurde in der Schweiz etwas Neues realisiert. Das wird ausserhalb des Kantons bemerkt, nicht nur in den Medien, auch in den Köpfen. Dafür spricht, dass nur ein Drittel der Besucher, die ihre Adresse auf einem Wettbewerbstalon hinterliessen, aus der näheren Region kommt.
Gewinner ist auch die Bildende Kunst. Der Streit urn den Kunst-Supermarkt führte zu einer der raren Kunstdebatten und hat sensibilisiert. Und die «Leichtigkeit des Kaufens», wie es Peter-Lukas Meier nennt, hat Schwellenängste abgebaut.
Unentschieden bleibt das Fazit für die Käuferinnnen und Käufer. Gestillt wurde ihr kommerzielles Bedürfnis. Sie haben ein Original zu einem günstigen Preis kaufen können. Gekauft wurde, was gefällt. Aber ein Schnäppchen ist es nicht und wird es auch nie werden.
Bleiben die Kunstschaffenden. Nur für wenige dürfte sich der Aufwand auch finanziell gelohnt haben. Sie konkurrenzieren mit dem 40 billigen Originalen ihr eigenes Schaffen. Und sie mussten Kunst am Lautmeter produzieren: das nennt man im besten Fall gutes Kunsthandwerk.