11. Schweizer Kunst-Supermarkt in Solothurn,
vom 18. November 2010 bis 7. Januar 2011

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 14–20 Uhr / Samstag, Sonntag, Feiertage: 11–17 Uhr
25. Dezember und 1. Januar geschlossen

Eröffnung und Vernissage: 18. November, 18 Uhr

Solothurner Zeitung vom 17. Dezember 2003

Aus den Museen, in den Discount

Kunst aus Karton Aldis neue Galerie-Idee gibt’s woanders schon länger

Mit handsignierten Offset-Drucken hat Deutschlands bekanntester Discounter zuletzt Publicity gemacht. Kunst für alle ist auch das Konzept so genannter Kunstsuperrnärkte. Die Idee dazu hatte der Spanier Mario Teres erstmals 1998 in Marburg.

In der Berliner Schaubühne war das Stück Mitte der Neunzigerjahre ein Renner. Ein Spassprogramm, mit Witz und Esprit. Gut geeignet für die Silvester-Vorstellng «Kunst», Yasmma Rezas französische Gesellschatskomödie, mit Gerd Wameling, Udo Samel und Peter Simonischeck in den Hauptrollen. Ein Stück, das zeigt, wie Beziehungskisten angesichts einer eintönigen Leinwand,Weiss in Weiss, von jetzt auf gleich kollabieren können. Von wegen Kunst für alle.
Felix Droese sieht das völlig anders. Der prominente Beuys-Schüler aus Düsseldorf ist nämlich der Meinumg: Kunst ist was fürs Volk. Also raus aus den Museen und rein in die Discounter. Getreu dem Motto seines Lehrers: Jeder Mensch ist ein Künstler und sollte sich mit Kunst umgeben.
20'000 Drucke - 10'000 «Silbertinger» und 10'000 «Wind, Wasser, Wolken» - hat Droese im Sommer handsigniert. Neun Tage lang. Dann irgendwann im Herbst wurden die Werke sachgerecht verpackt und an die Aldi-Ketten nach Süddeutschland ausgeliefert. An 1'500 Filialen. Aktion Grundversorgung, kommentiert Droese. 12.29 Euro das Stück, Rahmen mit Aufhänger inklusive. Insgesamt 140'000 Exemplare von 14 Kunstdrucken brachte Deutschlands bekanntester Discounter Anfang Dezember in Kürze unter die Leute. Dem Künstler bleibt für jedes verkaufte Bild ein Euro. Woanders kriegt einer wie Droese für kleinere Arbeiten bis zu 1'500 Euro. Grössere bringen gut und gern das Zehnfache ein.
Der 53-jährige, der berits auf der Documenta in Kassel und der Biennale in Venedig vertreten war, hat mit Holzschnitten von sich reden gemacht. Seine Themen: Geschichte und Gegenwart. Leben und Tod. Schon früher, Mitte der Sechzigerjahre, brachte er mit Freunden Billig-Angebote für fünf Mark auf den Markt. Aus Prinzip. Die Hierarchie, sagt Droese, wird auf den Kopf gestellt. Ob Offset-Drucke von Droese oder Pastelle von der Norddeutschen Carola Steege (Agenten-Order: Mach was mit Insel und in Blau-Weiss) - was bei Aldi neu ist, gibts woanders bereits seit einigen Jahren: Kunst aus dem Karton.
Vor fünf Jahren eröffnete der Spanier Mario Teres in Marburg den ersten Kunstsupermarkt. Weitere Standorte kamen dazu. Vor kurzem wurde Sylt getestet,, nächstes Jahr will man München als Standort erkunden. Und auch in der Schweiz, in Solothurn, hat die Idee von Mario, einige Wochen im Jahr Originalkunst zu erschwinglichen Preisen anzubieten, ihre Anhänger gefunden.

Unikate stapeln sich dutzendweise
Derzeit läuft in Berlin gerade der dritte Kunstsupermarkt. Noch bis Mitte Januar. Dafür hat sich der 44-jährige Kunsthistoriker Terés in dem noblen Quartier 205, direkt am Gendarmenmarkt in Berlins Mitte einen Laden gemietet. In einfachen Holzkisten stapeln sich dutzendweise Unikate. Studenten, Politiker, Hausfrauen und Galeristen stöbern in den Werken. Unter 500 Künstlern wählte Terés 70 aus. Darunter Brigid Ibell aus Südafrika, deren Bilder im Übrigen in der Schweiz etliches mehr kosten als hier im Supermarkt von Mario – mit nur knapp 300 Euro. Die Unikate gibt es zu Festpreisen: zu 50, 99, 199 oder maximal 299 Euro. Im Schnitt werden täglich 30 Arbeiten verkauft, sagt Mitarbeiterin Helga Berger. Zu den begehrten Künstlern zählen dieses Jahr Leonardo Cametta, Ramon Enrich und Avelke Edel.
Doch nicht nur bei Mario, in etlichen Galerien wird mittlerweile Kunst zu Dumping-Preisen protegiert. Und immer mehr Künstler schwören auf die Cheap-Art, mit der sie sich von der elitären Kunstszene absetzen wollen. Als Alternative zum traditionellen Kunsthandel. Fast also wie bei Aldi. Nur, dass man in einer Cheap-Art-Galerie oder im Kunstsupermarkt zum Originalkunstwerk nicht auch noch Kaffee und Käse bekommt. Waren des täglichen Gebrauchs gibt’s bei Mario + Co. bestenfalls auf Frotteelappen – künstlerisch wertvoll bemalt. Mit Zahnpastatuben oder Küchenreiniger. Für 50 Euro.